
Hauptplatz 1
8572 Bärnbach
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Geschichtlicher Streifzug
Am Zugang zum oberen Kainachtal liegt zwischen dem Heiligen Berg, den Höhenzügen von Hochtregist und dem Knobelberg die Stadt Bärnbach.
Archäologische Funde vom Heiligen Berg beweisen, dass dieses Gebiet seit der Jungsteinzeit von Menschen besiedelt wird. In der jüngeren Urnenfelderzeit (um 800 v.Chr.) bestand auf dem Heiligen Berg, der den Talboden um über 100 Meter überragt, eine für die damalige Zeit große befestigte Höhensiedlung. Die in den Jahren 1975/76 vom Landesmuseum Joanneum durchgeführten Grabungen erbrachten, außer den Überresten von Wohnstätten und anderen Relikten menschlichen Lebens, eine so große Anzahl verschiedener Tongefäße, daß die Schlussfolgerung naheliegt, dass es sich bei der Siedlung auf dem Heiligen Berg um ein „Töpferdorf" gehandelt hat. Neben den Funden aus der Urnenfelderzeit brachten die Grabungen auch Hinweise auf die Zeit der Kelten, der Römer und der Spätantike.
Ab der Zeit um 600 v.Chr. besiedelten die Slawen unser Gebiet und ab dem 10. Jahrhundert können wir die Einwanderung bayrischer Siedler annehmen. Im Laufe der Jahrhunderte ging das slawische Element immer mehr im Bayrischen auf. Heute erinnern uns nur noch verschiedene slawische Orts-, Flur- und Flussnamen an die ehemalige Besiedlung durch die Alpenslawen.
1265 scheint erstmalig die Ortsbezeichnung „Pernpach" in einer Urkunde auf und 1277 wurde „Perinbach" genannt. Die Erstsilbe des Namens „-Bärn-„ lässt sich sowohl von der althochdeutschen Bezeichnung für das Raubtier Bär („Pero" = Bär), als auch vom althochdeutschen Personennamen „pero" ableiten.
Durch das Kainachtal führte eine wichtige Straßenverbindung in die Obersteiermark. Auf dieser Straße wurden Wein, Getreide und andere Handelsgüter in den Raum Knittelfeld transportiert und Salz und Eisen in unseren Bezirk gebracht. Zum Schutze dieser Straße dürfte bereits im 13. Jahrhundert das heutige Schloß Alt-Kainach gegründet worden sein.
Ursprünglich als romanisch-gotischer Wehrturm errichtet, ist Alt-Kainach nun ein wuchtiger dreistöckiger Renaissancebau mit hohem Walmdach, der seine Form im 16. und 17. Jahrhundert erhielt. Seit dem 14. Jahrhundert im Besitze des Kainacher Zweiges der Hollenegger, kam das Schloss nach deren Aussterben (1593) an die Familie Türndl, Mitte des 18. Jahrhunderts an die Moskon, dann an die Familie Haffner, an die Kainachtaler Kohlenbergbau-Gesellschaft und schließlich 1884 an die GKB. Seit 1966 ist Alt-Kainach im Besitze des Steirischen Burgenvereines.
Dieser hat das Gebäude vorbildlich restauriert und im Schloss ein äußerst interessantes, verschiedene Fachbereiche umfassendes „Burgenkundliches Museum" eingerichtet.
Bis in das 18. Jahrhundert bestanden in nächster Nähe von Alt-Kainach zwei weitere Schlösser: Klein-Kainach (auch Ney Kainach) und der Krottenhof. Diese Bauten waren Verwaltungsmittelpunkte der Grundherrschaften.
Vom 13. bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts war die Geschichte Bärnbachs eng mit der der adeligen Familie der Kainacher verbunden. 1553 wurde dieses Rittergeschlecht in den Adelsstand erhoben. Wie der Großteil des steirischen Adels waren auch die Kainacher begeisterte Protestanten. Auf Grund der erfolgreichen Gegenreformation boten sie im Jahr 1603 dem Landesfürsten ihren Abzug aus der Steiermark an und erwarben in der Folge Güter in Niederösterreich.
Ursprünglich ein kleiner Ort mit rein bäuerlicher Struktur - 1817 zählte man hier 125 Einwohner in 25 Häusern - entwickelte sich Bärnbach durch Zusammenschluss mit den Ortschaften Mitterdorf, Oberdorf und Hochtregist zu einem beachtlichen Dorf.
Um 1820 zählte man 1029 Einwohner in 190 Häusern und im Jahr 1900 zählte Bärnbach 2343 Einwohner in 238 Häusern. 1951 wohnten hier in 618 Häusern bereits 5115 Personen und 1991 zählte man 5160 Einwohner.
Wichtige Faktoren für diese Aufwärtsentwicklung waren die seit etwa 200 Jahren in Abbau stehenden Braunkohlelager von Oberdorf und die seit 1805 ansässige Glashütte.
1953 wurde Bärnbach zum Markt und 1977 zur Stadt erhoben.
Seit der Landesausstellung „Glas & Kohle" 1988, sowie der Umgestaltung der St. Barbara-Kirche zur „Hundertwasser-Kirche", aber auch durch zahlreiche andere Initiativen, sind in Bärnbach neue Entwicklungsansätze entstanden, die ein neues Leitbild für die Zukunft entstehen lassen haben. Die Aspekte „Wirtschaft, Kultur und Tourismus" werden, neben den Aspekten „Kohle, Glas und Industrie", neu - oder zumindest verstärkt - in die Bärnbacher Identität eingebracht.
1994 wurde von der Stadtgemeinde Bärnbach ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben, wobei neben den erwähnten Leitideen eine wirtschaftliche Stärkung des Zentrums angestrebt wird. 1995 wurde Bärnbach zur schönsten Blumenstadt der Steiermark ausgezeichnet.
